Historie

Die s.Oliver Baskets: Eine Erfolgsgeschichte in (bisher) sechs Akten

In nur fünf Jahren von der Regionalliga auf Platz vier der Beko Basketball Bundesliga und in den Europa-Pokal: Die noch kurze Geschichte der s.Oliver Baskets gleicht einer Cinderella-Story, die sich in dieser Form zu Beginn wohl keiner der beiden Gründerväter erträumt hätte.

Und das kam so: Der Würzburger Unternehmer Jochen Bähr und Klaus Heuberger, seines Zeichens Kaufmännischer Leiter des Mainfranken Theaters, entwickelten im Frühjahr 2007 die gemeinsame Vision, in der traditionell basketball-begeisterten Dom- und Residenzstadt am Main wieder ein Team in den Profibereich zu führen. Zwei Jahre zuvor war TSK Würzburg (früher DJK s.Oliver Würzburg bzw. s.Oliver Würzburg) nach sieben Spielzeiten in der höchsten deutschen Spielklasse abgestiegen und musste Insolvenz anmelden.

Mit der Gründung der Sport- und Event Würzburg Baskets GmbH legten die beiden Baskets-Initiatoren den Grundstein für die Verwirklichung ihres ehrgeizigen Plans. Nach dem Erwerb der Regionalliga-Lizenz durch die Würzburg Baskets waren – damals noch in Kooperation mit dem SC Heuchelhof – die SCH Würzburg Baskets geboren, die in der Saison 2007/08 in der Regionalliga Südost ihre Premiere feierten.

2007/08 – Regionalliga Südost

2007/08 – Regionalliga Südost

Gleich in der ersten Saison verpasste der SCH Würzburg Baskets mit dem dritten Platz in der Regionalliga Südost nur knapp den Aufstieg in die ProB. Denkwürdig war der erste Heimsieg des neu gegründeten Teams unter Trainer Ivo Nakic: Im einzigen Baskets-Spiel in der Sporthalle auf dem Heuchelhof wurde der Top-Favorit und spätere Meister FC Bayern München (Trainer: Georg Kämpf) in den Schluss-Sekunden noch in die Knie gezwungen.

2008/09 – Regionalliga Südost

Der zweite Anlauf in der 4. Liga verlief für die Würzburg Baskets perfekt. Unter Trainer Berthold Bisselik schafften die Unterfranken mit 24 Siegen aus 24 Spielen als souveräner Meister der Regionalliga Südost den nie gefährdeten Aufstieg in die 2. Liga ProB. Wenige Tage später gewann die Bisselik-Truppe auch noch den Bayernpokal – der krönende Abschluss einer rundum erfolgreichen Saison.

2009/10 – ProB

Die Spielzeit 2009/10 startete mit wieder Headcoach Berthold Bisselik, der seine Erfolgsgeschichte der Vorsaison nicht fortsetzen konnte. Im Lauf der Saison wurde Assistenz-Coach Marcel Schröder zum Cheftrainer befördert. Der 30-Jährige führte die Mannschaft hinter Meister Dragons Rhöndorf und den Hertener Löwen als Aufsteiger auf den 3. Platz in der 2. Liga „ProB“.

2010/11 – ProA

2010/11 – ProA

Als Nachrücker für die Hertener Löwen, die als sportlich qualifizierter Aufsteiger die finanziellen Anforderungen der „ProA“ nicht erfüllen konnten, rutschte Würzburg doch noch in die zweithöchste deutsche Spielklasse – nach nur drei Jahren war das erste Ziel von Klaus Heuberger und Jochen Bähr erreicht.

Mit neuem Namenssponsor wurden auch die Ziele neu definiert: Die s.Oliver Baskets unter Leitung ihres Cheftrainers Marcel Schröder belegten in der Endabrechnung trotz einer geradezu unglaublichen Verletzungsserie hinter dem FC Bayern München den zweiten Platz und schafften damit nur vier Jahren nach ihrer Gründung den Aufstieg in die Beko Basketball Bundesliga. Unter anderem gelang dem Schröder-Team ein wichtiger Heimsieg gegen den Spitzenreiter aus München.

Zum Rückspiel vor der ProA-Rekordkulisse von 12.000 Zuschauern in der Münchner Olympia-Halle reisten 2.000 verrückte Baskets-Fans. Gefeiert werden konnte erst am letzten Spieltag: Durch einen Heimsieg im Spitzenspiel gegen den Tabellendritten Chemnitz am 23. April 2011 machten die s.Oliver Baskets die Würzburger Rückkehr ins deutsche Basketball-Oberhaus perfekt.

2011/12 – Beko Basketball Bundesliga

2011/12 – Beko Basketball Bundesliga

John Patrick heißt der neue Cheftrainer, Marcel Schröder ist sein Assistent. Mit Jason Boone, Ben Jacobson, John Little und Alex King verpflichten die s.Oliver Baskets nach dem dritten Aufstieg in Serie bundesliga-erfahrene Profis, mit denen sie ihre Erfolge auch in der Bel Etage des deutschen Basketballs fortsetzen können.

Nach einer starken Hauptrunde qualifiziert sich der Aufsteiger mit einer Bilanz von 20 Siegen und 14 Niederlagen als Tabellensechster für die Playoffs. Einen der schönsten Siege feiern sie dabei am 23. Dezember 2011 vor eigenem Publikum gegen Mitaufsteiger FC Bayern München.

Doch das war noch lange nicht das Ende der sensationellen Premieren-Spielzeit: Im Viertelfinale schaltete die Patrick-Truppe mit unbändigem Willen und knallharter Verteidigung den Top-Favoriten ALBA BERLIN aus. Die Hauptstädter gewannen Spiel 1, dann legten die s.Oliver Baskets eine Serie von drei Siegen in Folge hin und zogen ins Halbfinale ein. Erst gegen den späteren Vizemeister ratiopharm Ulm endete der Lauf der Unterfranken, die sich durch Platz vier der Deutschen Meisterschaft gleich im ersten Anlauf für den EuroCup qualifizierten.

2012/2013 - Beko Basketball Bundesliga / EuroCup

„Die zweite Saison ist die schwerste“ - diese Sportler-Weisheit bewahrheitete sich für die s.Oliver Baskets nach der Rückkehr von Marcel Schröder auf den Posten des Cheftrainers. Der mit 33 Jahren jüngste Headcoach der Beko Basketball Bundesliga hat vom Beginn der Vorbereitungszeit mit Ausfällen zu kämpfen, die sich auch durch insgesamt vier Nachverpflichtungen im Laufe der Spielzeit nicht kompensieren lassen.

Eigengewächs Maxi Kleber kann kein einziges Pflichtspiel bestreiten, Center Chris McNaughton verletzt sich im ersten Saisonspiel und fällt 10 Wochen aus, „Mr. Defense“ John Little stößt wegen der Geburt seines Sohnes Kingston erst spät zum Team und zieht sich später eine schwere Blinddamr-Entzündung zu, die ihn monatelang außer Gefecht setzt. Kapitän Ben Jacobson muss noch vor Saison-Halbzeit an der Schulter operiert werden und fällt komplett aus, Scharfschütze Jimmy McKinney verpasst die letzten beiden Monate der Saison wegen einer schweren Knöchelverletzung.

Trotz einiger unnötiger Niederlagen vor allem in den ersten Monaten kann auch die zweite BBL-Saison als Erfolg verbucht werden: Bei ihrer Premiere im EuroCup verkaufen sich die s.Oliver Baskets in einer schweren Gruppe mit drei Siegen und drei Niederlagen ganz hervorragend. Höhepunkt ist ein sensationeller Heimsieg vor 3.000 Zuschauern gegen Valencia Basket.

Und auch in der Liga haben die Unterfranken bis zum letzten Spieltag die Chance, sich erneut für die Playoffs um die Deutsche Meisterschaft zu qualifizieren. Am Ende fehlt den s.Oliver Baskets ein einziger Sieg und sie müssen sich mit Platz neun in der Abschlusstabelle zufrieden geben. Eine Serie aber hat gehalten: Der FC Bayern München bleibt auch im vierten Anlauf ohne Sieg in Würzburg.

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